„Die Natur verweigert den rechten Winkel“

Meine für Ostrava im Rahmen der dortigen Deutsch-Tschechischen Kulturtage unter diesem Titel geplante Ausstellung vom 25.3. bis 2.5.2020 wurde aus bekannten Gründen abgesagt. Ob oder wann sie nachgeholt werden kann, ist derzeit noch unklar. Insofern ist an dieser Stelle vorerst nur der Begleittext zur Ausstellung nachlesbar.

Die Natur verweigert den rechten Winkel
Wasserspiegelungen fotografiert von Peter R. Fischer (Dresden/D)
25.03. – 02.05.2020 Klub Atlantik, Ostrava

Es heißt, die Natur kennt keinen rechten Winkel. Der Mensch, obwohl Teil der Natur, baut viele rechte Winkel.
In seinem Denken, seiner oft geradlinigen Rationalität, stellt sich der Mensch allzu gerne über die Natur. In seinen Emotionen wiederum überläßt er sich nicht minder gern seinem Naturell.
Der Mensch baut rechte Winkel in die Natur. Die Natur, hier in Form von Wasser unter Zuhilfenahme der Sonne, der Strömung und des Windes, treibt ihr lustiges Spiel damit, dekonstruiert und formt unbekümmert um den Zweck der Architektur in Bruchteilen von Sekunden immer neue Formen und Gebilde, kreiert mehrköpfige Geschöpfe und andere Fabelwesen. Treibt Häuserzeilen über die kleinen Wellenkämme, zergliedert Fassaden in Insellandschaften, verbiegt Türme, übt sich in grafischen Strukturen. Ein rechter Winkel – purer Zufall.
Wassermalerei. Gemälde, Pastelle, Aquarelle hingehaucht, „übermalt“, weggewischt. Nichts hat Bestand, jedes Bild ist einmalig ohne Wiederkehr. Jedes Bild existiert nur im Moment des Fotografierens – und lebt im fixierten Abbild weiter.
Die Fotos verweigern den Kontext. Das Original der Spiegelung ist nicht zu sehen. Es öffnet sich der Raum für die menschliche Phantasie und/oder das Vorstellungsvermögen, je nachdem ob man auf der Wasseroberfläche mittreiben oder der Spiegelung auf den Grund gehen möchte.
Fotografie als sinnliches Spiel und rationale Auseinandersetzung. Was interessiert den Betrachter an den Fotos? Was ist im Alltag für uns wichtig: Sein oder Schein, Ursache oder Wirkung? Welche Wechselbeziehungen ergeben sich für uns, erkennen wir oder werden uns suggeriert?
Wie gut ist unsere Fähigkeit der Wahrnehmung, des Wieder-Erkennens von Realität in veränderter Gestalt, von Zusammenhängen und im übertragenen Sinne unsere Urteilsfähigkeit zu Vorgängen, zu Objekten, deren ursprüngliche Gestalt, ihre eigentliche Daseinsform, in der Spiegelung kaum oder gar nicht mehr nachvollziehbar ist?
Wie ausgeprägt oder abwesend ist im gesellschaftlichen Alltag unsere Fähigkeit, Sein und Schein, Ursache und Wirkung zu unterscheiden, zu erkennen? Nachrichten, Filme, Fotos – alles gefilterte Wiedergabe, deren „richtige“ (aber was heißt schon „richtig“?) Entschlüsselung und Einordnung Bildung und Erfahrung voraussetzt und auf unsere „Haltung“ treffen. Rationalität und Emotionalität bilden die Symbiose für unsere Schlußfolgerungen.

Aber manchmal darf man auch einfach nur betrachtend genießen.

Die Ausstellung präsentiert in der Mehrzahl Aufnahmen aus Venedig von 2017, ergänzt um Fotos aus Dongo (It), Groningen, Leeuwarden (NL), Ljubljana (Slo), Jičin und Prag (CZ) von 2015 bis 2019

Peter R. Fischer; Dresden, 05.03.2020

Die Fotos in der Ausstellung können käuflich erworben werden:
Format ca. 20×30 cm: 20 €/500 CKR; 30×45 bzw. 40×40 cm: 50 €/1250 CZK; 40×60 cm: 80 €/2000 CZK
Ausdrucke in anderen Größen sind möglich. Preise auf Anfrage
Als Postkarte (Ausdruck auf Fotopapier, rückseitig beschreibbar, 10×15 cm): 1 € / 25 CKR
(Die Bilder können auch jederzeit bestellt und zugesendet werden, dann Preise zzgl. Versandkosten.)

Bestellungen bitte über photographie.fischer@gmail.com