Randnotizen aus der Dresdner Neustadt (Kalender 2019)

Randnotizen aus der Dresdner Neustadt
A4, quer, Papier 135 g/m², matt
1. Auflage 50 Ex.
Monatskalender mit 14 Abbildungen von 2009 bis 2017
12 €
(inkl. Versand in D bei Bestellung über photographie.fischer[at]gmail.com)
außerdem in Dresden erhältlich bei:
Buchhandlung Lesezeichen (Prießnitzstr. 56)
Der Reisebuchladen (Louisenstr. 38)

Randnotizen aus der Dresdner Neustadt, Kalender 2019; Titelbild: Louisenstraße (2009)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text auf Kalenderblatt 2
Spricht man von der Dresdner Neustadt, dann meint man üblicherweise die Äußere Neustadt, Szene usw., die Innere Neustadt ist eher die kleine Schwester der barocken Altstadt, wo sich auch noch Touristen hinverlieren, die vereinzelt weiterziehen bis zur Kunsthofpassage, die in zahlreichen Reiseführern steht.
Verwalterisch gehören aber gleichfalls die Leipziger und die Radeberger Vorstadt sowie die Albertstadt dazu. In diesem Umfang würde ein Kalender schon wieder beliebig, also doch nur Innere und Äußere Neustadt.
Oft werde ich gefragt, ob ich unter meinen Postkarten typische Neustadtmotive habe. Aber welche sollen das sein?
Die Innere Neustadt verschönte mit sozialistischen Plattenbauten den Übergang vom Barock zur Gründerzeit der Äußeren. Graue Fassaden werden schick saniert. Glatte Lückenbauten verdichten beide Statdtteile. Straßenzüge, die es in vielen anderen Großstädten gleichfalls gibt.
Die Graffitis in der Äußeren Neustadt reduzieren sich mehr und mehr auf die gleichen Schriftzüge, als hätten deren Sprühlinge mit großen Minderwertigkeitsproblemen zu kämpfen. Oder Langeweile. „Besprühte Wände = billigere Miete“ laß ich dieser Tage. Hilflose Kinderutopie.
Die Gentrifizierung ist schon lange im Gange. Mehr und mehr Geschäfte stehen leer. Tagsüber ist die Äußere Neustadt ziemlich leblos. Am lebhaftesten erscheint die Kneipenkultur.
Menschen im öffentlichen Raum fotografieren beim Einkaufen, im Straßencafé, bei der BRN? Persönlichkeitsrechte, Datenschutz erzwingen geradezu fotografische Inszenierung, Absprachen. Das Foto dann letztlich geprägt vom Verhältnis der Abgebildeten zur Kamera. Neustadt?
Hat der gängige Neustadt-Kalender-Schwarz-Weiß-Blick (Bunt ist für die Touris!) noch seine Gültigkeit? Gern wird die Neustadt in vielerlei Hinsicht noch so gesehen. Ein Klischee? Ohne Farbe wird ästhetisch stilisiert. Die eigentliche Atmosphäre fühlt bestenfalls noch der Einheimische in Schwarz-Weiß.
Als vor zehn Jahren Zugereister fehlt mir der nostalgisch verklärte Blick. So bevorzuge ich letztlich stilles kreuz und quer Umherschlendern und fotografiere, was mich bewegt, gehe den Persönlichkeitsrechten aus dem Weg, weil sie Ablenken von …
So verstehe ich meine Bilder als Randnotizen zu einem städtischen Bereich, den ich nicht in einem Kalender analysieren oder mythifizieren möchte.
Verweilmomente am Rande des Alltags, für die man die gezielten Wege von A nach B unterbrechen muß, mal abbiegen muß, Tageslicht benötigt …