2011 entstand in Ljubljana die erste Aufnahme, bei der ich dachte „Sieht aus wie bei Friedensreich Hundertwasser.“

Das erste „Hundert_Wasser_Bilder“-Foto; Fassade der Mariä-Verkündigung-Kirche; Ljubljana 2011; HWB0001
In den Folgejahren kamen einzelne Aufnahmen dazu, bis ich im Herbst 2017 eigens dafür drei Tage nach Venedig reiste und über 400 Aufnahmen mitbrachte. Dies war der Grundstock für eine Ausstellung im tschechischen Velvary, die deshalb auch „Hundert_Wasser_Bilder aus Venedig“ betitelt war.
Immer wieder kamen auch an anderen Orten in verschiedenen Ländern neue Motive zur Serie, so daß die „Venedig-Bilder“ nur noch einen Teil der jeweiligen Exponate darstellten. Weitere Ausstellungen mit einem ähnlichen Grundstock an Bildern, aber je nach den Gegebenheiten auch variierend, folgten.
Die erste und mit fast 40 Arbeiten auch umfangreichste Ausstellung unter dem Titel „Die Natur verweigert den rechten Winkel“ sollte in Ostrava im Rahmen der dortigen Deutsch-Tschechischen Kulturtage stattfinden, wurde aber kurzfristig und leider auch ersatzlos wegen Corona abgesagt. Insofern ist an dieser Stelle nur der Begleittext zur Ausstellung nachlesbar.

Es heißt, die Natur kennt keinen rechten Winkel. Der Mensch, obwohl Teil der Natur, baut viele rechte Winkel.
In seinem Denken, seiner oft geradlinigen Rationalität, stellt sich der Mensch allzu gerne über die Natur. In seinen Emotionen wiederum überläßt er sich nicht minder gern seinem Naturell.
Der Mensch baut rechte Winkel in die Natur. Die Natur, hier in Form von Wasser unter Zuhilfenahme der Sonne, der Strömung und des Windes, treibt ihr lustiges Spiel damit, dekonstruiert und formt unbekümmert um den Zweck der Architektur in Bruchteilen von Sekunden immer neue Formen und Gebilde, kreiert mehrköpfige Geschöpfe und andere Fabelwesen. Treibt Häuserzeilen über die kleinen Wellenkämme, zergliedert Fassaden in Insellandschaften, verbiegt Türme, übt sich in grafischen Strukturen. Ein rechter Winkel – purer Zufall.
Wassermalerei. Gemälde, Pastelle, Aquarelle hingehaucht, „übermalt“, weggewischt. Nichts hat Bestand, jedes Bild ist einmalig ohne Wiederkehr. Jedes Bild existiert nur im Moment des Fotografierens – und lebt im fixierten Abbild weiter.
Die Fotos verweigern den Kontext. Das Original der Spiegelung ist nicht zu sehen. Es öffnet sich der Raum für die menschliche Phantasie und/oder das Vorstellungsvermögen, je nachdem ob man auf der Wasseroberfläche mittreiben oder der Spiegelung auf den Grund gehen möchte.
Fotografie als sinnliches Spiel und rationale Auseinandersetzung. Was interessiert den Betrachter an den Fotos? Was ist im Alltag für uns wichtig: Sein oder Schein, Ursache oder Wirkung? Welche Wechselbeziehungen ergeben sich für uns, erkennen wir oder werden uns suggeriert?
Wie gut ist unsere Fähigkeit der Wahrnehmung, des Wieder-Erkennens von Realität in veränderter Gestalt, von Zusammenhängen und im übertragenen Sinne unsere Urteilsfähigkeit zu Vorgängen, zu Objekten, deren ursprüngliche Gestalt, ihre eigentliche Daseinsform, in der Spiegelung kaum oder gar nicht mehr nachvollziehbar ist?
Wie ausgeprägt oder abwesend ist im gesellschaftlichen Alltag unsere Fähigkeit, Sein und Schein, Ursache und Wirkung zu unterscheiden, zu erkennen? Nachrichten, Filme, Fotos – alles gefilterte Wiedergabe, deren „richtige“ (aber was heißt schon „richtig“?) Entschlüsselung und Einordnung Bildung und Erfahrung voraussetzt und auf unsere „Haltung“ treffen. Rationalität und Emotionalität bilden die Symbiose für unsere Schlußfolgerungen.
Aber manchmal darf man auch einfach nur betrachtend genießen.
So faßte ich den Entschluß, einen Bildband unter selbigem Titel zu veröffentlichen. Dieser erschien Anfang 2022 (100 S.) und kann bei mir käuflich erworben werden.
2022 und 2024 fanden zwei kleinere Ausstellungen mit 15 bis 19 Arbeiten in Dresden und Meißen statt. Die Ausstellung auf Schloß Struppen (2026) umfaßt 23 Bilder.
Die Motove haben etwas sehr Malerisches. Deswegen sind inzwischen einige Motive auf Leinwand mit Keilrahmen in den Größen von ca. 30 x 40 bis 80 x 110 cm ausgedruckt und Bestandteil der Ausstellungen. Spannend ist dabei, wie sich die Grenze zwischen Fotografie und Malerei aufzulösen scheint.

